Szenische Interpretation

Szenische Interpretation ist ein didaktisches Konzept des handlungsorientierten Erfahrungslernens, in dem kognitive Lernprozesse ins Emotionale erweitert werden. Obwohl prinzipiell jedes alltägliche Phänomen Anlass für eine szenische Interpretation sein kann, bieten sich insbesondere künstlerische Werke. Musik, Texte, Bilder, Plastiken, Filme zeichnen sich als künstlerische Werke durch ihre Leerstellen aus, die individuell interpretiert werden wollen. Durch die handlungsorientierten Methoden, z.B. szenisches Lesen, das Bauen von Standbildern, Selbstgespräch mit einem Requisit, Rolleninterviews und Spielszenen, erleben die Teilnehmer*innen sowohl sinnlich-leibliche, als auch emotionale Aspekte einer Rolle und zwar im Rückgriff auf die jeweils subjektiven Erfahrungen. So werden mögliche Motive, komplexe Zusammenhänge und unterschiedliche Sichtweisen und Perspektiven vom Gegenstand her kreiert und mitgeteilt. Wirklichkeiten werden als konstruiert und konstruierbar erfahren.

Mephistopheles: Hier ist ein Kästchen leidlich schwer, Ich hab’s wo anders hergenommen.
Stellt’s hier nur immer in den Schrein, Ich schwör Euch, ihr vergehn die Sinnen; Ich tat Euch Sächelchen hinein, Um eine andre zu gewinnen. Zwar Kind ist Kind, und Spiel ist Spiel.

Faust: Ich weiß nicht, soll ich?
Mephistopheles: Fragt Ihr viel? Meint Ihr vielleicht den Schatz zu wahren? Dann rat ich Eurer Lüsternheit, Die liebe schöne Tageszeit Und mir die weitre Müh zu sparen.